Matriarchat vs. Patriarchat…

Oder einfaches gleichberechtigtes vs. kompliziertes willkürlich ungleich berechtigtes Gesellschaftskonstrukt.

Schon Friedrich Engels ist davon ausgegangen, dass es das Matriarchat vor dem Patriarchat gegeben hat. Er kam aufgrund seiner ethnologischen Studien in seinem Werk von 1884 “Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates” zu dem Ergebnis, dass das Matriarchat die ursprüngliche, weltweit verbreitete Form des menschlichen Zusammenlebens gewesen ist. Dasselbe belegt die heutige Matriarchats-
forschung mit fundierten wissenschaftlichen Nachweisen. Die u.a. auch der Grund für die Angst des Mannes vor der Frau sein könnten.

Bronislaw Kasper Malinowski geb. 1884, gilt als “Vater der Feldforschung”, wie sie heute zum Kernstück der empirischen Arbeit der Anthropologie geworden ist. In seinem 1922 erschienenen Buch – Argonauten des westlichen Pazifik – beschreibt er zum ersten Mal die auf den pazifischen Trobriand-Inseln lebenden Trobriander. Dabei legt er besonders Wert darauf, nicht dem üblichen Eurozentrismus anderer Forscher zu verfallen.

Das Gleiche gilt für sein zweites Buch – Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien -, in dem er detailliert die soziale Organisation der Sexualität, das heißt unter anderem soziale Riten, Partnerwahl und Sexualverhalten der Trobriander beschreibt. In einem Kapitel geht er auf die Eltern-Kind-Beziehungen bei den Trobriandern ein und beschreibt detailliert deren komplexe matrilineare Verwandtschaftsstruktur, in der die biologische Vaterschaft ignoriert wird und dafür der Bruder der Mutter – eine „väterliche“ Beziehung – einhergehend mit einer ganzen Reihe von Verpflichtungen – zu den Kindern seiner Schwester.

Dreht frau das Rad der Zeit zurück, dann gibt es sowohl keinen Privatbesitz über Grund und Boden als auch keine Hoheitsgebiete von Staaten. Das heißt zum einen, dass die Menschen dort leben konnten, wo und wie sie es wollten. Zum anderen gab es im heutigen Sinne auch nichts zu vererben. Dass Mütter zentrale Mittelpunkte ob ihrer Gebärfähigkeit waren, war nur folgerichtig, zumal es bei allen Tieren so ist. Das bedeutete aber keinen Sonderstatus. Konnte es auch nicht, weil sie überhaupt kein Status- und Besitzdenken kannten.

Demzufolge ist ein matrilinearer String logischerweise das Nächstliegende für eine mit Klans organisierte Gemeinschaft, in der der biologische Vater keine Rolle spielt. Das bedeutet aber keines Wegs, dass deswegen Männer in der Gemeinschaft überhaupt nichts zu sagen haben. Nur innerhalb des Klans bestimmt die Mutter, wo es lang geht. Aber immer nur zum Wohle aller. Wenn eine ihrer Töchter ihren Klan verlassen wollte, was zwar nicht gerne gesehn wurde, konnte sie es aber trotzdem machen, ohne deswegen von der Gemeinschaft verstoßen zu werden. Genau das Gegenteil war und ist der Fall, ihr wurde und wird bei der Gründung ihres Klans geholfen. So weit so gut.

Ganz anders sind patriarchale Gemeinschaften organisiert. Und dadurch, dass die Erbfolge vom Vater auf den Sohn ging bzw. geht, wird nicht nur die Kompliziertheit deutlich sondern auch die willkürliche Notwendigkeit um dieses Konstrukt aufrecht zu erhalten.

Dafür war die Entmündigung der Frau über ihren Uterus sowie ihre Jungfräulichkeit unabdingbar. Denn ansonsten konnte der Mann sich nicht sicher sein, dass das erst geborene Kind auch seins war. Und das war für das zu vererbende Privateigentum notwendig, denn das MUSSTE im Besitz der Familie des Mannes bleiben. Deswegen sah Friedrich Engels im Privateigentum auch den Ursprung desselbigen. Letztendlich wurde mithilfe von Philosophen und Wissenschaftlern für Männer Philosophien, monotheistische Gottvater Religionen und bspw. auch noch biologische Gründe erfunden und damit legitimiert, um eine maskuline Kontrolle über Frauen, besitzlosen Männern, Kindern, Land und Ressourcen zu sichern. Dass dieses nur mit Gewalt erreicht wurde, wurde freundlicherweise von Männern selbst dokumentiert.

Der Grundstein für unsere heutige menschenverachtende Gesellschaft wurde also vor mindestens 2.000 Jahren gelegt. Seitdem beweisen männlich dominierte Gesellschaften, dass sie nur eins können, nämlich die Existenzgrundlage aller zu zerstören.
Von „bestangepassten Individuen“ kann wohl definitiv überhaupt keine Rede mehr sein.

Nachtrag:
Ein weiterer Vorteil matrilinearer Kulturen ist, dass sie nachhaltig mit der Natur leben
und nicht wie die vom Technikwahn geblendeten westlichen wie östlichen männlich dominierten Industrienationen gegen die Natur. Die ob ihres Geblendetseins nicht wahrnehmen, dass sie mithilfe der Technik die eh schon knappen Ressourcen noch schneller vernichten werden.

Ich hab den Verstand kotzen gesehen.

Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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3 Antworten zu Matriarchat vs. Patriarchat…

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