Weibliche Wirklichkeit – Frauen in der Männerwelt…

Sind alle Frauen Feministinnen?
Ja und nein. Ja im Sinne des lateinischen Wortstamms “femina”, das ja “Frau” bedeutet. Nein im Sinne von Feminismus, den es an sich ja gar nicht gibt, sondern nur als theoretischer Begriff, der zum ersten Mal in den Schriften des französischen Sozialphilosophen Charles Fourier (1772-1837) erwähnt wurde. Fourier verstand darunter den Grad der Befreiung der Frau als Maßstab von gesellschaftlicher Entwicklung. Feminismus # Chronik – Geschichte der Frauen # Frauenrechte.

Sowohl die im Laufe der Zeit entstandenen unterschiedlichen feministischen Theorien als auch die sich daraus entwickelnden politischen Bewegungen dienen dem gemeinsamen Ziel für alle Frauen die Gleichberechtigung, Menschenwürde und Entscheidungsfreiheit sowie Selbstbestimmung zu erreichen. Nicht weniger aber auch nicht mehr. Denn wie das Ziel erreicht werden kann, sieht überspitzt gesagt jede Frau anders. Und das ist gut so, weil dadurch eine größere potenzielle Kraft für Veränderungen besteht, als sie m.E.n. Organisationen mit ihren Manifesten haben können.

Deswegen kann von einem Ismus nicht wirklich die Rede sein. Und es ist heutzutage auch keine Sammelbezeichnung für heterogene Konzepte mehr, die am Anfang die Rechte und Interessen von Frauen innerhalb des männlich dominierten Systems thematisierten. Zumal Heteronormativität nur zur Erhaltung männlicher Dominanz dient. Zu nichts anderem dient auch der heutzutage oft gehörte Mythos über die Wichtigkeit des biologischen Vaters. Nichts weiter als biologistischer Kack-Scheiß.

Denn dass ein sozialer Vater nicht dasselbe für ein Kind erreichen kann, bedarf nach wie vor des Beweises. Alleinerziehende Mütter liefern dagegen den Beweis, dass es auch gänzlich ohne Vater geht. Was den biologistischen Kack-Scheiß noch offensichtlicher zum Mittel zur Erhaltung der männlichen Dominanz macht.

Bspw. Frankreich: Einerseits hat der französische Staat längst die “Nützlichkeit” alleinerziehender Mütter erkannt und unterstützt sie “vorbildlich”. Allerdings nicht selbstlos, denn für den Erhalt des Staates sind Kinder noch wichtiger, als für die Erzeuger selbst.
Andererseits ist keine Frau erst eine Frau, nachdem sie ein Kind bekommen hat.
Es kann auch nicht der Sinn unseres Lebens sein, Männern Puderzucker ins Arschloch
zu blasen, nur weil wir Frauen sind. Heutzutage kann kein Mann uns Frauen mehr bieten, als das, was wir selbst erreichen können.

Kurzum: Wir sind nicht Frauen, weil wir bestimmte Eigenschaften haben, sondern wir haben Eigenschaften, und eine davon ist unser weibliches Geschlecht. Niemand braucht sich an irgendeinen Lebensplan zu halten, der nur abhängig davon ist, was sich zwischen den Beinen befindet. (Zitat aus dem Buch “Wir Alphamädchen”)

Dass ich den Mainstreamfeminismus radikal ablehne, hat vor allem damit zu tun,
dass jedes Partizipieren <- zweiter Absatz) mit der männlich dominierten Gesellschaft dieselbige erhält. Privilegien sind mit die besten Korruptionsmittel.

Da diese Gesellschaft aber so konzipiert ist, sodass nur die Interessen von Männern erfüllt werden, ergibt die Tatsache, dass das Ziel Gleichberechtigung, Menschenwürde und Entscheidungsfreiheit sowie Selbstbestimmung zu erreichen nicht verwirklicht werden kann. Bspw. nützt die Quotenregelung bestenfalls nur zur Profitsteigerung. Denn das die Quotenfrauen das gleiche Gehalt bekommen, wie ihre männlichen Kollegen, gehört ins Reich der Märchen.

Demzufolge kann das Ziel m.E. nur durch einen Systemwechsel erreicht werden.
Und erst in diesem Prozess können gleichberechtigte Frauen wie Männer ein neues Gesellschaftssystem entwickeln. Alles andere halte ich für vergeudete Zeit,
die wir schon fast nicht mehr haben. Zumal Antifeministen versuchen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu bremsen ist es angebracht zu handeln, anstatt sich mit unsinnigen Grabenkämpfen selbst zu schwächen. Ihre absurden Gender-Diskurse haben mit dem Anliegen von uns Frauen so viel zu tun, wie ein Fahrrad mit einem Kamel.

Dem Neoliberalismus verdanken wir die Globalisierung, die nur ein neues Kleid für den faschistischen Imperialismus vergangener Tage ist. Aber dadurch werden auch die Probleme die Frauen in der sogenannten Dritten Welt haben die unseren.

Denn es kann nicht sein, dass wir nur deren angebautes Gemüse etc. essen, die Klamotten tragen, die sie für einen Hungerlohn nähen usw. usf. aber sie mit den dort herrschenden gesellschaftlichen Frauenproblemen alleine lassen.

In einigen afrikanischen Ländern werden kleine Mädchen nach wie vor geschlechtlich verstümmelt, weil sie später kein Mann unverstümmelt heiratet. Davon sind schon ca. 140.000 Millionen Frauen betroffen und jeden Tag kommen 2.000 hinzu.

Mir ist kein Fall bekannt, wo einem Mann aus demselben Grund die Eichel entfernt wurde. Die Zirkumzision bei Männern ist damit überhaupt nicht zu vergleichen, sie erfolgt aus rituellen religiösen oder/und aus hygienischen Gründen, Letzteres vor allem dort, wo Wassermangel herrscht.

Fazit:
Männer müssten endlich mal begreifen, dass sie ihre Minderwertigkeitskomplexe weder durch perverse Geschlechtsverstümmelungen noch durch andere Gewalt,
in welcher Form auch immer
, auflösen können, sondern nur durch das in Frage stellen ihres absurden uralten Männlichkeitsbildes.
Auf dem Kalender steht 2011 und nicht 3.000 vor Christus.

Luce Irigaray – „Welt teilen“Weibliche Wirklichkeit – Frauen in der Männerwelt

Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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