Zur gesellschaftlichen Konstruktion von biologischem Geschlecht.

Über den Artikel „It’s the system, stupid!“ von anarchie & libhe wurde ich auf den Vortrag von Volker Voss „Zur gesellschaftlichen Konstruktion von biologischem Geschlecht“ aufmerksam.

Zitiere It’s the system, stupid!:

Am 31. Mai hielt Dr. Heinz-Jürgen Voss einen Vortrag über Hermaphroditismus und dessen Bedeutung in Gesellschaft und Medizin im DemoZ Ludwigsburg mit dem Titel: Kein Geschlecht oder viele – warum es biologisch Mann und Frau nicht gibt.
In dem ca. dreistündigen Vortrag führte Voss, promoviert in Biologie, über einen historischen Abriss der Intersexualität in der Rechtssprechung an die aktuelle medizinische Praxis heran.
Ich gebe hier einen Überblick der Inhalte, die ich besonders wichtig fand und bemühe mich, ihre Bedeutung aufzuzeigen – wer tiefer einsteigen mag, ist mit der Dissertation „Making Sex Revisited
Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“ sowie der Homepage von Heinz-Jürgen Voss gut beraten, wo sich auch Hinweise auf weitere Publikationen finden.

Die Zweigeschlechtlichkeit ist sozial hergestellt und wird nicht nur von den überall sichtbaren Verhaltensweisen (Puppen vs. Legosteine) und der Kodierung über Aussehen und Kleidung reproduziert. Lassen sich intersexuelle Menschen körperlich nicht in eines der beiden denkbaren Geschlechter1 einordnen, so findet die Gesellschaft Wege und Maßnahmen, ihr binäres Konzept aufrecht zu erhalten. Read more

Zitiere Volker Voss:
„Ein Denken von Entwicklung, eine Betonung von Entwicklungsprozessen geht ab von wenigen kleinen vorbestimmenden Einheiten. Vielmehr wird es notwendig, den gesamten Organismus und dessen Wechselwirkungen mit der Umwelt zu betrachten. Das bedeutet, dass aus der Perspektive heutiger biologischer Wissenschaft die Kommunikation zwischen verschiedenen Bestandteilen der Zelle, die Kommunikation zwischen verschiedenen Zellen, deren Einbindung in den Organismus und die Einflussfaktoren aus der Umgebung im Blick sein müssen. Gene, DNA sagen eben nicht die Entwicklung eines Organismus bzw. hier eines „Genitaltraktes“ voraus. Vielmehr stellen sie lediglich einen Faktor im komplexen Zusammenspiel von Faktoren der Zelle dar.“ QUELLE

Sein Blog

Alles bio? Auch aus biologischer Sicht gibt es mehr als zwei Geschlechter.
Zusätzlich lesenswert, u.a. auch deswegen, weil „Gott Gewolltes“ unmissverständlich als Mythos entlarvt wird. *imho

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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3 Antworten zu Zur gesellschaftlichen Konstruktion von biologischem Geschlecht.

  1. Angelika schreibt:

    … eigentlich führt Voss für mich lediglich das fort, was „damals“ Ursula Scheu bereits publizierte. leider/warte/hoffe ich bisher auf eine entsprechende aktuelle/aktualisierte deutsche/deutschsprachige publikation dazu
    vgl. http://openlibrary.org/books/OL20802167M/Wir_werden_nicht_als_M%C3%A4dchen_geboren-wir_werden_dazu_gemacht

    ja, mir ist bewusst, dass son titel kein „verkaufsschlager“ war/ist/wird wie diese „Pease-dingens-shite“ (hast du ja schon beschrieben 🙂

    dafür gibts ja auch noch z.b. – englisch :
    http://www.cordeliafine.com/delusions_of_gender.html

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