Schwanz als Waffe?

Gewalt ist in der Regel die Domäne des Mannes, seit es die erste männlich dominierte Kultur gibt. Das Jagen von Tieren oder sich gegen Angreifer zu verteidigen, lass ich absichtlich außen vor, weil es mir nur um die heutige persönliche Gewalt geht. Obwohl unsere Kultur vor männlicher Gewalt nur so trieft, wird sie tabuisiert oder durch Verharmlosung verherrlicht.

Vor allem bei sexueller Gewalt bzw. bei Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen. Dabei kommen Täter nicht nur aus der Champions League der Strauss-Kahns, sondern aus allen Ligen bzw. Gesellschaftsschichten. Während in der Champions League Größenwahnsinnige glauben, dass sie sich wie die Feudalisten alles erlauben können, gibt es in den anderen Ligen mehrheitlich von ihrem Leben frustrierte Männer bzw. nach den herrschenden, ihren Maßstäben gescheiterte Existenzen. Zu denen wohl auch die meisten Maskulisten gehören.

Deren Identifikationsbilder sind allerdings solche Typen wie Strauss-Kahn, Berlusconi etc. Sozusagen kleine Ausgaben derselbigen. Da sich Männer nicht nur über ihren Status definieren, sondern auch über ihre Potenz. Ist ihr Frust umso größer je öfter die Objekte ihrer Begierde sie ablehnen. Folglich kann sich ihre sexuelle Energie nicht entladen. Da diese aber nicht wirklich speicherbar ist, muss sie raus und zwar egal wie, denn sonst richtet sie sich irgendwann zerstörerisch gegen denjenigen selbst.

Einzige Notausgänge sind für Heteros, wichsen, das Bordell oder Vergewaltigung. Die beiden letzten Möglichkeiten gibt es aber nur in männlich dominierten Kulturen. In matrilinearen Kulturen suchen Frauen sich Männer zum Vögeln aus. Betrachtet frau das mit der sexuellen Selektion, bleiben zumindest bei uns immer welche übrig. Da können Männer machen was sie wollen, wenn sie für Frauen nicht attraktiv genug sind, läuft für sie rein gar nichts. Frust schlägt schnell in Wut um. Sich gewaltsam zu holen was sie nicht anders bekommen können, ist für Männer ob ihrer körperlichen Überlegenheit relativ leicht.

Die Meinungen, dass Vergewaltigungen nichts mit Sex zu tun haben, das glauben die meisten, werden aber auch konträr diskutiert. Manche vergessen wohl, dass die Tat gesellschaftlich verurteilt wird. Zurecht, keine Frage. Aber der Täter geht dieses Risiko ein. Außerdem könnte er dabei verletzt werden. Andere sehen die Ursache in der Zivilisation. Ich denke, dass für den Täter die Vergewaltigung auch Sex haben bedeutet.

Zumal ja Gewalt an sich auch anders ausgelebt werden könnte. Außerdem geht es „nur“ um den Abbau der gestauten Energie. Dass ihr Ursprung sexueller Natur ist, spielt dabei nämlich keine Rolle. Rousseau schrieb schon 1755, dass Gier, Angst und Gewalt Produkte der Zivilisation sind. Folglich könnte frau sagen, dass Männer keine Vergewaltiger per se sind, sondern, dass auch die gesellschaftlichen Umstände sie dazu machen könnten.

Und wenn frau sich die sexistische Werbung anschaut sowie bspw. das ja schon pornomäßige Berlusconi TV, dann hätte frau für diese These zumindest schon mal Reizquellen verortet.

Aber was ist mit dem freien Willen? Wenn ich bspw. tierisch geil bin, will ich ja auch nicht von jedem „Penner“ gefickt werden. Dass ich alles versuchen werde, um gefickt zu werden, steht aber auf einem anderen Blatt. Die einfachste Lösung wäre jetzt, zu sagen, bei Männern versagt der Wille und ihr Trieb treibt sie dazu, Frauen zu vergewaltigen.

Nur ist das mit Trieben so ’ne Sache. Das freudsche Triebkonstrukt gilt heute nicht mehr, obwohl es teilweise in den Begriffen Motivation bzw. Motivationssystem erhalten geblieben ist. Außerdem gilt freier Wille stärker als Triebe.

Zurück zur Gewalt. Susan Brownmiller ist eine radikalfeministische Journalistin und Aktivistin und stellte eine Theorie auf, die damals weit über das moralische Prinzip hinausging. Das Folgende stammt aus ihrem 1975 veröffentlichen Buch „Against our will„:

„Die Entdeckung des Mannes, dass seine Genitalien als Waffe zu gebrauchen sind, um damit Furcht und Schrecken zu verbreiten, muss neben dem Feuer und der ersten großen Steinaxt als eine der wichtigsten Entdeckungen in prähistorischer Zeit angesehen werden. Ich glaube, dass Vergewaltigung eine überaus wichtige Funktion innehat. Sie ist nicht mehr und nicht weniger eine Methode bewusster systematischer Einschüchterung, durch die alle Männer alle Frauen in permanenter Angst halten“.

Das hört sich irgendwie schlüssig an. Impliziert aber, dass Vergewaltigung nichts mit Sex zu tun hat. Dass die Sozialisierung alle Männer zu Vergewaltigern macht. Und verherrlicht außerdem noch, auf subtiler Weise die Gewalt gegen Frauen.

Mama mia – che cazzo – Fortsetzung folgt.

Advertisements

Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
Dieser Beitrag wurde unter gesellschaft abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Schwanz als Waffe?

  1. GwenDragon schreibt:

    Es gab Zeiten, da durften Frauen ein Kurzschwert oder einen Dolch tragen, nicht ohne Grund.
    Heutzutage braucht frau einen Mann, um sich zu schützen, sei es der Staat, der Herr Ehemann, Soldat, Freund, Anwalt oder Polizist. Leider wollen manche Frauen auch aus diesem Kinderstadium nicht raus, um sich zu wehren.

    • lucia schreibt:

      Hm, wäre es heute noch so, dann würde wahrscheinlich Kachelmann seine Wunden im Knast pflegen. Und Strauss-Kahn wohl auch. Außerdem wären Prozesse nach einem Tag vorbei.

      Pero, mir fällt dazu grad noch mehr ein, aber das wäre Stoff für ’nen eigenen Artikel. 🙂

Kommentare sind geschlossen.