Männer: Blinde Bullterrier?

Wenn Männer glauben, dass irgendetwas ihre Privilegien bedroht, werden sie sofort sowohl blind für den Grund als auch bissig wie ein Bullterrier. Dass ein blinder Bullterrier den Falschen beißt, ist wahrscheinlicher, als alles andere.

Und in der Tat passiert das, seitdem es Macht- und Besitzdenken gibt, welches auch im Männlichkeits- und Größenwahn sichtbar wird. Die sich daraus ergebende Hierarchie bedeutet aber keines Wegs, dass sich nur Alphamännchen so verhalten, nein, sie haben das gar nicht nötig, sondern so verhalten sich vor allem die Männer, die nach den Ansichten ihres herrschenden Gesellschafts-Konstrukts Loser sind.
Wären sie es nicht, würden sie so auch nicht reagieren.

Wer blind ist, kann folglich auch nicht sehen, dass Frauen nicht mehr fordern, als das, das für Männer schon lange selbstverständlich ist. Dass Frauen in einer sich zivilisiert nennenden Kultur, überhaupt darum kämpfen mussten und nach wie vor müssen, zeigt zweifelsfrei, dass die Blinden das nicht wollten bzw. es immer noch nicht wollen. Dass sich dabei die Männerrechtsbewegung besonders profiliert, kann ob ihrer ewig gestrigen Ansichten nicht überraschen.

Wessen Geistes Kinder sie sind, lässt sich an dem drittklassigen Autor Arne Hoffmann erkennen, den sie zum Männerforscher erhöht haben. Wahrscheinlich hält er sich auch so unfehlbar wie der Papst. Die Maskulisten haben meist noch dämlichere Ansichten, können aber vergessen werden, weil es sie anscheinend nur trollend im Web gibt. Ein Verein von blinden Bullterriern, die offenbar Angst haben, ihre Alphamännchen zu beißen, denn NUR die sind diejenigen, die ihr Leben scheitern lassen. Dass daran auch Alphaweibchen beteiligt sein können, erwähne ich ob ihrer Seltenheit, nur vollständigkeitshalber.

Die Erkenntnis von der Familienministerin Kristina Schröder, dass Jungs auch gefördert werden müssen, katapultierte die von Männern seit Jahrhunderten behauptete intellektuelle Überlegenheit des Mannes, endgültig ins Reich der Märchen zurück.

Das Folgende ist ein Überblick nur der letzten 60 Jahre, der den beschwerlichen Hürdenlauf zur Gleichstellung von Frauen zeigt, die immer noch nicht erreicht worden ist. Die sich daran anschließende Kolumne „Frauen gegen Frauen“ von Susanne Klinger, beschreibt, dass es zwischen Frauen auch nicht zum Besten bestellt ist, was für das Erreichen der Gleichstellung genauso kontraproduktiv ist, wie das Partizipieren mit dem männlich dominierten System.

Überblick:
Die erste Frau im Bundestag war 1953 Marie Elisabeth Lüders

In der Deutschen Demokratischen Republik verlangte das Familiengesetz ab 1966, dass die Ehepartner ihre Verbindung so gestalten, „daß die Frau ihre berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit mit der Mutterschaft vereinbaren kann“.

In der Bundesrepublik Deutschland legte 1970 eine Sachverständigenkommission Vorschläge zu einer umfassenden Reform des Ehe- und Familienrechts vor. Wegen der vorzeitigen Auflösung des Bundestages 1972 wurde ein erster Entwurf erst 1973 im Bundestag beraten. Die Beratungen zogen sich bis 1976 hin; am 14. Juni 1976 wurde
das neue Gesetz verkündet. Erst am 1. Juli 1977 trat es in Kraft.

Man spricht vom „paritätischen Ehemodell“. § 1356 BGB lautet: „Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen. (…). Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.“

1958 bis 1977 lautete § 1356 BGB Absatz 1: “ Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“Basierend darauf brauchten Ehefrauen die Zustimmung ihres Ehemannes, wenn sie eine Erwerbsarbeit aufnehmen wollten. Diese legten sie ihrem Arbeitgeber bei der Einstellung schriftlich vor.

Bis 1957 durften Frauen ohne Zustimmung ihres Ehemannes kein eigenes Konto eröffnen.

Aktuelle Situation:

In Europa sind heute mehr Frauen als Männer in Teilzeitarbeit beschäftigt
Die Frauenarbeitslosigkeit war 1997 meist höher als der Durchschnitt.

Unterschiede zwischen dem Entgelt von Männern und Frauen werden als Gender Wage Gap thematisiert. In den Jahren nach dem Krieg erhielten Frauen bis zu 40 Prozent weniger Lohn als Männer in vergleichbarer Position; es wurden „Lohnabschlagsklauseln“ für „Frauenlohngruppen“ geschaffen und angewendet. Im Jahr 1955 entschied das Bundesarbeitsgericht, dass die Minderbezahlung von Frauen dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes widerspricht; dieser gelte auch für den Erwerbsarbeitsbereich. Dies müsse bundesweit bei den Tarifverträgen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften beachtet werden. Später wurden aber sogenannte Leichtlohngruppen umgesetzt, großenteils die Arbeit von Frauen betreffend. Heute werden geschlechterbezogene Entlohnungsdifferenzen insbesondere mit Bezug auf Gender Mainstreaming im Bereich der Arbeitsbewertung analysiert und bewertet.

Eine Genderforscherin schrieb 2001 zu den beruflichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen: Der Blick auf „geschlechtliche Diskriminierung“ greife für ein Verständnis der Bedeutung von Geschlechterdifferenzen für die berufliche Entwicklung zu kurz, da er das Phänomen der geschlechtlichen Segmentierung lediglich auf eine Kategorie der Akteure zurückzuführen suche. „Nicht einzelne Frauen werden von gehobenen Positionen ausgeschlossen, vielmehr sind die Kriterien beruflicher Exzellenz selbst vergeschlechtlicht, weil sie eine enge Verbindung von erwünschten Befähigungen, Verhaltensstilen und „Qualifikationen“ mit kulturellen Definitionen von Männlichkeit und (seltener) Weiblichkeit herstellen.

Quelle Wiki

Frauen gegen Frauen

TAZ.DE KOLUMNE VON SUSANNE KLINGNER

Lasst mich in Ruhe!“, forderte Zeit-Redakteurin Ursula März vor Kurzem in einem Essay. „Ein emanzipiertes Subjekt hat keinen Gefallen daran, ohne Unterlass gemustert, beratschlagt, beurteilt, kurzum: gegängelt und bevormundet zu werden“, schrieb sie. Und ich denke mir: Ja, tatsächlich wäre eine Pausetaste für den Geschlechterdiskurs schön.

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Resümee: Männer müssen sich endlich emanzipieren, sonst ist ein Diskurs nicht möglich. Und Frauen sollten sich nicht gegenseitig behindern, das nützt nämlich nur den ewig gestrigen Männern.

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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3 Antworten zu Männer: Blinde Bullterrier?

  1. GeHa schreibt:

    Ich liebe das BGB:

    „(2) Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein. Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen.“
    Quelle: http://dejure.org/gesetze/BGB/1356.html

    Bislang haben wenig Herren Rücksicht nehmen müssen, weder auf ihre Frau noch die KInder, und wer weiß, was „gebotene Rücksicht“ juristisch bedeutet.
    In jedem Fall bedeutet BGB 1356 für mich im RL: Arbeitnehmherr + Hausfrau

    • lucia schreibt:

      Was „gebotene Rücksicht“ juristisch bedeutet, weiß ich auch nicht. Kachelmann würde wohl behaupten, dass nur brutale Verletzungen des Körpers, eine Vergewaltigung vermuten lassen können. 😉

  2. Pingback: Frauen gegen Frauen – Teil 2 | Love me or leave me – - >

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