Der Deutschlandfunk – Ein frauenfeindliches Sprachrohr?

Da er 1962 als Pendant zur „Stimme der DDR“ gedacht war, lässt mich zumindest vermuten, dass er bis zum Ende der DDR hauptsächlich westdeutsche Propaganda ausstrahlte. 1962 wehte der von den Amis gewollte rechtskonservative Adenauermief über die BRD. Folglich ist eine Verbindung damaliger rechter Gesinnungsgenossen zu den Heutigen zumindest denkbar. Vor allem deswegen, weil sowohl Nazi als auch Stasi-Seilschaften immer noch aktiv sind.

Zu denen passt dann die Männerrechtsbewegung wie die Faust aufs Auge. Dass der Deutschlandfunk denen als Sprachrohr dienen könnte, scheint vielleicht im ersten Moment kaum glaubhaft zu sein. Aber wenn der Beitrag „Frauen haben Männer längst zum Objekt ihrer Erziehung gemacht.“ von Eberhard Straub am 01.07.2011 dort gesendet wurde, der nur so vor Frauenfeindlichkeit trieft, dann könnte meine Vermutung schon stimmen.

Quelle – Zitiere:

Vom Ende der Gleichberechtigung:
Frauen haben Männer längst zum Objekt ihrer Erziehung gemacht.
Von Eberhard Straub

Der Mensch ist zum Bösen geneigt. Dieser alten Erfahrung widersprechen immer entschiedener fundamentalistische Feministinnen und von deren Redegewalt eingeschüchterte Frauenversteher unter den Männern, die daran leiden, als Mann auf die Welt gekommen zu sein. Denn Frauen sind von Natur aus freundlich, friedlich, harmoniebedürftig, ausgleichend und gerecht. So lautet die frohe Botschaft.
Mutter Natur hat ihre Töchter wunderbar ausgestattet.

Sie vergaß allerdings, ihnen auch die Gabe zu verleihen, männlich dominierte Machtspiele zu durchschauen und sich davor schützen zu können, zum Opfer männlicher Launen zu werden. Habt Mitleid mit den Frauen! Dieser Ruf dröhnt längst wie Donnerhall durch das betriebsame Deutschland und soll auch die schwerhörigsten Männer zur Gewissenserforschung anhalten, etwa wieder einmal ungeduldig gewesen zu sein und einer Frau Schmerz zugefügt zu haben.

Da Frauen beigebracht wurde, von Erziehung viel mehr zu verstehen als die rohen Männer, weil sie viel verständnisvoller sind, fühlen sie sich dazu berufen, aus Männern endlich Menschen zu machen. Von der Wiege bis zum Sarg begleiten Frauen den Mann, ihn korrigierend und zurechtweisend. Sie erlösen, dies Mängelwesen, den Mann, aus seinen vielen Unzulänglichkeiten. Die Inkarnationen menschlicher Vollkommenheit staunen, was der Mann alles lernen muss. Deshalb darf man Männer nie allein lassen, und auf keinen Fall der Gesellschaft mit Männern überlassen.

Überall sind Frauen. Nicht weil die Gleichberechtigung es ihnen ermöglicht, sondern weil sie fürchten, Männer könnten ihrer Kontrolle entgleiten, wenn man sie nicht gründlich überwacht. Nichts verschafft so viel Macht wie der beanspruchte Opferstatus. Die Frauen haben längst den Mann zum Objekt ihrer Erziehung gemacht. Sie bestimmen, welche Bücher, Filme oder welche Musik kein Erfolg werden. Was Frauen nicht passt, wird als Männerthema bei Seite geschoben. Das kann sogar Goethe oder Mozart treffen, Homer oder Shakespeare, sie alle schrieben auch von Frauen, die Männer umgarnten und das Schwein in ihnen entwickelten. Frauenverachtende Männerfantasien, die nur beweisen, wie schwer den Männern die Menschwerdung fällt, und wie sehr sie auf Frauen angewiesen sind, nicht Vorurteilen zu erliegen.

Die Ehe ist längst zum Umerziehungslager geworden. Die Lebensabschnittspartnerin ist damit beschäftigt, erst einmal alles zu beseitigen, was die Mutter ihrem Sohn beigebracht hatte. Hat sie das erreicht, muss er ihrem Bilde angeglichen werden, denn nur gemeinsam sind beide stark, was heißt: Sie gleichen sich unter ihrer Anleitung einander an. Ein Mann, der noch an Egoresten hängt und sich totaler Betreuung entziehen möchte, wird bald entsorgt.

Frauen sehen im Mann nur den Vater ihrer Kinder. Sie will Kinder. Diese gehören ihr. Der Vater ist entbehrlich, die Familie ohnehin. Die Mutter und ihr Kind – welch herrlicher Verein. Bis auf einmal der Sohn keine Lust mehr hat, ihr recht viele Freude zu machen. Dann jammert sie, einem Mann und keinen Menschen in ihm zu begegnen, der sie undankbar allein lässt und gar die Freundschaft seines Vaters sucht. Wie ungerecht! Und wieder einmal ist sie nur Opfer, verletzt, beschädigt und gedemütigt.

Dann braucht sie Gesellschaft, um klagen zu können und ihr privates Weh als öffentlichen Skandal zu genießen. Unbefangene Geselligkeit ist von Frauen zerstört worden. Sie sind immer unverstanden, keiner hört ihnen zu und keiner lässt sie ausreden, obschon sie dauernd reden. Opfer dürfen nie mit dem Bösen in Zusammenhang gebracht werden. Es gibt Wählerinnen und Wähler, Verbraucher und Verbraucherinnen, aber eine Terroristen- und Terroristinnenbekämpfung kann es nicht geben. Terror ist unweiblich, was immer auch die Geschichte dazu sagen mag. Die unterrichtet darüber, wie böse, gewalttätig und verlogen auch Frauen sein können, die Männer gar nicht so selten sexuell belästigen und verführen.

Die Fiktionen vom guten Menschen, der sich in der Frau vollendet, hat das Zusammenleben erschwert. Amitié, die Freundschaft sollte einmal Mann und Frau verbinden, die beide voller Fehler waren. Mit Vollkommenen kann kein Mensch befreundet sein. Ihnen kann man nur gehorchen. Damit ist die Gleichberechtigung am Ende.

Eberhard Straub, Publizist und Buchautor. Geboren 1940, studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Der habilitierte Historiker war bis 1986 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bis 1997 Pressereferent des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Heute lebt er als freier Journalist in Berlin.

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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9 Antworten zu Der Deutschlandfunk – Ein frauenfeindliches Sprachrohr?

  1. Piratenweib schreibt:

    Der Sender ist schon des öfteren durch frauenfeindliches Gesülze aufgefallen und steh schon lange auf meiner „Liste der überflüssigen Medien“.

    • lucia schreibt:

      Wundert mich nicht. 🙂

      Ich bin übrigens durch deinen Artikel „Kritisches Ghost-Wissenschafts-Writing?“ irgendwie bei dem Sender gelandet. Vielleicht gibt’s ja auch da eine Verbindung zu dem ominösen Klein/Penzlin?

  2. edomblog schreibt:

    Eberhardt Straub veröffentlich eben solche Texte. Wieso übernimmt das Blog den Text fast vollständig? Gerade der letzte Absatz ist sehr klug. Ihm geht es um eine Bedrohung von alteuropäischen Freundschaftscode, s. etwa Luhmann, Liebe als Passion, Kap. 7
    Das ist ein überlegenswerter Gedanke.

    • lucia schreibt:

      Eberhardt Straub veröffentlich eben solche Texte.

      Yep, Arne Hoffmann veröffentlicht auch solche Texte. Und nun?
      Dein Hinweis ist heiße Luft.

      Wieso übernimmt das Blog den Text fast vollständig?

      Nicht nur fast, er ist vollständig.
      Ganz einfach, ich weiß nicht, wie lange der dort noch zu finden ist.

      Gerade der letzte Absatz ist sehr klug. Ihm geht es um eine Bedrohung von alteuropäischen Freundschaftscode, s. etwa Luhmann, Liebe als Passion, Kap. 7

      In „Liebe als Passion“ im Kapitel 7 „Von der Galanterie zur Freundschaft“ geht es nicht um die gesellschaftliche Gleichstellung der Frau. Und damit hat es auch keinen Bezug zu Straubs Erguss, der nur so vor Männergejammer und Frauenhass trieft. Was dir aber offenbar nicht auffällt.

      Wenn jeder nur das liest, was ihm in den Kram passt, dann ist ein Diskurs nicht möglich, vere?

      • Nor schreibt:

        Ich habe hierbei eher das Gefühl, du würdest nur das lesen, was du möchtest.
        Warum so aggressiv?
        Wenn dieser Mann das so wahrnimmt, sollte man sich vielleicht eher fragen, weshalb er das tut.

        Und das von jemandem, der überzeugt davon ist, dass Gleichberechtigung eine gute Sache ist.

      • lucia schreibt:

        @Nor
        Ach ja, was du nicht sagst.
        Bei seinen eindeutig frauenverachtenden Formulierungen brauch ich mich nicht fragen, weshalb er das tut. Ich denke, du solltest dich mal fragen, warum du das nicht erkennen willst, den eindeutiger geht’s ja wohl nicht.

  3. GwenDragon schreibt:

    Straub phantasiert den Mann als eine Art „Kind“ der Frau, das unterdrückt und misshandelt wird.
    Was ist das für ein altbackenes Bild, das er von seinen Peers hat. So wie es angeblich ALTfeminismus gibt, ist das von ihm Gesträubte hier der AltHERRENismus.

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