Mythos Freiheit.

Freiheit ist ein erfundener Begriff um dieselbige anderen entziehen zu können.
Das wird mit der sogenannten „souveränen“ Freiheit begründet, nach der nach freiem Willen gehandelt werden kann um dann damit über sich selbst und über andere Macht auszuüben.

Alleine Letzteres belegt, dass es Freiheit an sich nicht geben kann. Und deswegen wird auch nicht zufällig ständig auf der Freiheit herumgeritten, die es zu verteidigen gilt.
Und dieses Verteidigen müssen wird auch zur Legitimation von Kriegen, für Terroristenbekämpfung, von Notstandsgesetzen, für den Zwang zu einem vom Staat ausgestellten Nachweises das Frau/Mann existiert etc. pp. benutzt.

Dadurch wird offensichtlich, wie nützlich der erfundene Begriff Freiheit für die Willkür Mächtiger ist. Und im Umkehrschluss, wie unnütz für die die durch die willkürliche Gewalt der Mächtigen leiden müssen. Keine Frage, dass die Mächtigen mehrheitlich Männer sind.

Der Begriff „persönliche“ Freiheit setzt dem ganzen absurden Mythenkonstrukt die Krone auf. Damit wird nämlich behauptet, dass niemand unter Zwang steht, weder in seinen Handlungen durch andere eingeschränkt noch bestimmt werden kann.

Da muss frau sich doch zwangsläufig fragen, in welchem Land diejenigen leben, in dem bspw. die Notstandsgesetze erlassen wurden. Na ja, kann wohl auf diesem Planeten nicht sein. Und wenn frau noch genauer hinsieht, dann entpuppt sich Freiheit im Alltag auch als Kontostand.

Der triviale Spruch – ohne Moos nix los – trifft nicht nur des Nagels Kopf sondern auch den des Mythos Freiheit. Wer das in Deutschland nicht glaubt, sollte mal einen Hartz 4 Empfänger fragen, ob er bspw. seinen Urlaub wieder in der Südsee verbringen wird. Oder ob er sich schon das neueste Modell von Mercedes bestellt hat. Oder oder oder. Die Kette der Konsumgüter die nur mit dem nötigen bzw. verfügbaren Kleingeld gekauft werden können ist nicht nur endlos sondern offenbart auch Freiheit zweifelsfrei als Mythos.

Daran ändert auch nix die mögliche freie Wahl des Wohnsitzes sowie des Arbeitsplatzes; Wahlen, die eh nur die herrschenden Parteiendiktaturen bestätigen können;
Meinungsfreiheit
, die ohne Lobbyisten so nutzlos ist wie ein Kropf.

Der freiheitliche Rechtsstaat lässt schön grüßen.

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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23 Antworten zu Mythos Freiheit.

  1. Keydie Lyn schreibt:

    Zitat:
    „Daran ändert auch nix die mögliche freie Wahl des Wohnsitzes“

    Eine beste Freundin von mir durfte nicht einmal das… Wenn man erst bei der ARGE gelandet ist, scheint wohl auch dieses Recht eingeschränkt zu sein. Sie durfte nicht nach Außerhalb ziehen, obwohl sie dort schneller eine günstigere Wohnung hätte finden können.

    Das Geld regiert die Welt… Und weil man Geld braucht um Leben zu können, hat man Freiheiten aufzugeben und sich Zwängen zu unterwerfen.

    Wenn man Obdachlos ist, muss man sich wöchentlich bei den Behörden melden, wenn man überhaupt noch Geld von denen bekommen will. Wenn man das nicht schafft, wird man mit Geldentzug und damit mit Hunger bestraft.

    Zwänge und Unfreiheiten sind unser täglicher Begleiter im Leben.

    Schön finde ich die Freiheit zu haben, das z. B. hier äußern zu dürfen… – immerhin…

    LG Keydie

    • lucia schreibt:

      Schön finde ich die Freiheit zu haben, das z. B. hier äußern zu dürfen… – immerhin…

      Immerhin reicht mir zumindest nicht, weil es auch Nachhaltigkeit entbehrt im Sinne von, dass es einem nicht garantiert wird und folglich schon morgen nicht mehr möglich sein kann. Wenn wir aber unsere Menschenrechte an korrupte Politiker delegieren, dann brauchen wir uns auch nicht darüber beschweren, dass sie die für ihre Zwecke missbrauchen.
      Eine Diktatur ohne Volk gibt es schließlich nicht.

      LG,
      Lucia

  2. Piratenweib schreibt:

    Wer erstmal Hartz IV bezieht, verliert Grundrechte. Freie Wahl des Wohnortes und des Berufs, die Unverletzlichkeit der Wohnung und das Briefgeheimnis – alles dahin.

    • lucia schreibt:

      Oha, das wusste ich gar nicht, danke für die Ergänzungen.

    • Z. schreibt:

      Das gilt sogar für diejenigen, die Angehörige oder nahe Freunde sind.
      Die ARGEs können per Vermutung einfach verdächtigen, dass betrogen wird, dass Vermögen vorhanden ist, dass eine unzterhaltspflichtige (eheähnliche Beizeiheung) existiert.
      Unschuldsvermutung und Persönlichkeitsrechte gibt es eben nur für „besondere“ Leute.

      Und Urlaub (selbst zwei Tage am Wochenende) müssen dem Amt gemeldet werden.
      Bewegungsfreiheit = 0!

  3. Keydie Lyn schreibt:

    „immerhin…“ – ja eben… – NOCH geht das.
    Da schwingt schon eine gewisse Resignation von mir mit und ich habe da ganz blöde Gefühle was das Thema Freiheit anbelangt…

    Ich versuche meinen kleinen Teil beizutragen. Aber aufgrund meiner angeschlagenen Gesundheit kann ich leider auch nicht so, wie ich gerne will.

    Das hier – finde ich – passt auch gut zum Thema Freiheit:

    Gedanken für eine bessere Welt – Teil 1 und 2

    LG Keydie

    • lucia schreibt:

      Also die Videos sind ja ganz nett, aber nur der Austausch von Idealen verändern nicht das System, zumal das auch nur durch Mächtige des Kapitalismus und ihren sichtbaren Methoden zur Machterhaltung benannt wird.

      Aber die tatsächliche Erklärung fehlt, was das System eigentlich ist und wodurch es seine Macht bekommt, ist nur mit Kapitalismus nicht erklärt. Und auch nicht durch Abhängigkeiten oder unzureichender Kommunikation oder durch die zwar berechtigte Kritik an Religionen. Das sind nur Symptome der eigentlichen Ursache.

      Und die ist das Macht- und Besitzdenken des Privateigentums, das aber von hegemonialen Männerbünden kontrolliert wird. Eine einfache aber effiziente Kontrolle, weil ja jeder glaubt, ein Recht auf Privateigentum zu haben, dass sie sich dadurch zum Sklaven der hegemonialen Männerbünde machen, erkennen aber die wenigsten. Dieses System funktioniert schon seit der Antike und lässt sich mit dem in den Videos Genannten nicht verändern. Zumal eine Veränderung nur innerhalb des Selbigen das System an sich ja erhält.

      LG,
      Lucia

      • Keydie Lyn schreibt:

        Egoismus läuft mir immer wieder als ein Grundübel über den Weg… – ebenso Gier… – Gier nach Macht und Geld bei gleichzeitigem Fehlen von Mutterinstinkt und Rücksichtnahme auf und Respekt vor anderen Menschen und z. B. der Natur.

        Was hat ein Mensch davon Millionen oder Milliarden Euro/Dollar etc. zu horten, entsprechende Besitztümer usw.?
        Das letzte Hemd hat doch keine Taschen…

        Wenn ich sehe, wie die Menschen immer mehr um ihre Arbeitskraft ausgepresst werden, wie die Gesundheit von immer mehr Menschen deshalb vor die Hunde geht… – fällt mir nur noch das Wort Sklaverei dazu ein… Sicher – eine moderne Sklaverei… – aber eben Sklaverei…

        Ja… – und es ist so…: diejenigen, die da oben die Fäden ziehen sind meist Männer.

        LG Keydie

  4. lucia schreibt:

    Was hat ein Mensch davon Millionen oder Milliarden Euro/Dollar etc. zu horten, entsprechende Besitztümer usw.?

    Er hat nichts davon aber er ist wie fast alle anderen auch durch gewollte Nichtbefriedigung seiner „natürlichen“ Bedürfnisse süchtig gemacht worden. Das ist das Paradoxe daran. Der Reiche wird darum niemals befriedigt, bleibt also bedürftig, vom Armen ganz zu schweigen.

    Die Bedürftigkeit ist gleichzeitig Motor des Konsums, der aber die Bedürftigkeit niemals befriedigen kann. Folglich besteht ein ewiger Kreislauf, dessen Profit aber nur die Reichen einstreichen können, weil sie sowohl über die Produktionsanlagen als auch über das dafür notwendige millionenschwere Privateigentum verfügen.

    Damit der Sklave ob dieses Wahnsinns nicht ausrastet, bekommt er Opiate in Form von Privilegien, die ihn aber vom System nur noch mehr abhängig machen. Tja.

    LG,
    Lucia

    • Keydie Lyn schreibt:

      Eine Sucht… – hm…

      Oder könnte es Angst sein? Angst davor alles zu verlieren, dass der Wohlstand und der Luxus den Bach runter geht und man sich wieder im „normalen“ Leben einordnen muss?
      Kann der Gedanke dahinter stehen, dass je mehr Geld bzw. Kapital man anhäuft umso geringer die Angst ist ALLES zu verlieren?

      Aber je mehr man letztlich hat umso größer dann die Angst das doch wieder zu verlieren? Sie erreichen also das genaue Gegenteil von dem zu der die Angst sie treibt?

      In meinen Augen bringt Besitz/Eigentum zu haben nicht nur eine große Verantwortung mit sich – eben auch für Menschen, die nicht so viel oder nichts haben – wenn auch keine direkte Verantwortung – sondern in meinen Augen belasten Besitz/Eigentum auch. Und zwar je mehr, umso mehr man hat und umso mehr Arme Menschen es gleichzeitig auch gibt. Und das triggert dann auch wieder Ängste…

      Die modernen Sklaven laufen draußen herum und die modernen Sklaventreiber schließen sich selbst in ihre Nobelreservate ein, damit die modernen Sklaven ihnen nicht an den Kragen können.

      Irgendwie ein Teufelskreis… – wenn es denn wirklich so ist…

      LG Keydie

      • Keydie Lyn schreibt:

        „Kann der Gedanke dahinter stehen, dass je mehr Geld bzw. Kapital man anhäuft umso geringer die Angst ist ALLES zu verlieren?“

        „…umso GRÖSSER die Angst“, sollte es heißen… – sorry…

      • lucia schreibt:

        Nun ja, Süchte erzeugen zwangsläufig auch die Angst, keinen Stoff mehr zu bekommen. Bspw. könnten Heroinsüchtige darüber ein Lied singen. Und natürlich haben gerade Reiche Angst davor, alles zu verlieren, zumal sie sich auch über ihren Reichtum definieren. Außerdem kennen sie die Tricks anderen zu schaden, weil sie sich selbst so bereichert haben.

        Außerdem wird Angst über die Medien ständig suggeriert und davon leben nicht nur Versicherungen.

        LG,
        Lucia

  5. Robert schreibt:

    Die Nichtexistenz des Begriffs „Freiheit“ ist eine der Grundlagen fuer das duestere Bild einer totalitaer regierten Gesellschaft, die der Roman „1984“ von George Orwell zeichnet. Die Existenz des Begriffs „Freiheit“ ermoeglicht erst eine massentaugliche Diskussion dessen, was sich hinter dem Begriff verbirgt.

    Die Frage, wieviel Freiheit Einzelnen in einer Gesellschaft zugestanden werden kann, ohne dass die Freiheit der einen die der anderen einschraenkt, ist nicht so trivial zu klaeren, wie es vielleicht scheint.

    Das faengt schon im ganz Kleinen an. Ein naheliegendes Beispiel: Dein Besitz dieses Blogs gibt dir das Privileg, den Inhalt des Blogs zu bestimmen. Wir haben eine gewisse Freiheit, den Blog zu kommentieren, aber du kannst diese Freiheit einschraenken, indem du Beitraege editierst oder loescht. Das ist im Endeffekt eine Form von Macht, und dahinter steht die Notwendigkeit, dich auszuweisen (Login), und eine Verteidigung deines Besitzes (Sicherheitsmechanismus).
    Mir fallen da jetzt schon Parallelen zur realen Welt auf, und wir sind noch nichtmal bei der Hardware angekommen.

    Stell dir mal die Frage, welche alternative Organisation eine Art Blog haben koennte, und ob diese Alternativen ohne Besitz, Privilegien und Moeglichkeiten zur Machtausuebung auskommen. Oder wie beispielsweise sichergestellt wird, dass alle gleichen Zugang zu den begrenzten Resourcen (Speicherplatz, Bandbreite, etc.) erhalten, die diesen Blog ermoeglichen, ohne dass diese Resourcen missbraeuchlich verwendet werden koennen. Ein Blog ist eine relativ einfache Funktion, und selbst in einem so abgeschlossenen, eindeutig definierten System (naemlich einer Maschine) erreichen so einfache Fragestellungen die Grenzen dessen, was ein menschlicher Geist an Komplexitaet ueberblicken kann.

    Uebertragen auf das Leben von 6 Milliarden Menschen in einer gar nicht so eindeutig und logisch funktionierenden Welt wird das Problem sicher nicht einfacher.

    lg

    • lucia schreibt:

      Die Frage, wieviel Freiheit Einzelnen in einer Gesellschaft zugestanden werden kann, ohne dass die Freiheit der einen die der anderen einschraenkt, ist nicht so trivial zu klaeren, wie es vielleicht scheint.

      Die Ansicht, dass die eigene Freiheit bei der Freiheit des anderen aufhört, ist nur scheinbar logisch. Denn wenn Freiheit jeder selbst bestimmen kann, und das wird ja mit der Definierung der „persönlichen“ Freiheit suggeriert, dann wird sie willkürlich. Dadurch wird die Absurdität dieser Ansicht offensichtlich.

      Freiheit ist für mich ein IST-Zustand, sie findet statt oder eben nicht. Folglich kann sie weder jemanden zugestanden noch entzogen werden. Und das ignoriert in allen männlich dominierten Kulturen sowohl der Einzelne als auch der Staat. Matrilineare Kulturen kennen den Begriff Freiheit überhaupt nicht, weil ihnen Macht- und Besitzdenken fremd ist und folglich auch Privateigentum. Mit anderen Worten: Sie leben im IST-Zustand der Freiheit. Ob sie das wissen oder nicht, spielt keine Rolle, weil es für sie auch nicht relevant ist.

      Das faengt schon im ganz Kleinen an. Ein naheliegendes Beispiel: Dein Besitz dieses Blogs gibt dir das Privileg, den Inhalt des Blogs zu bestimmen. Wir haben eine gewisse Freiheit, den Blog zu kommentieren, aber du kannst diese Freiheit einschraenken, indem du Beitraege editierst oder loescht.

      Das stimmt nur bezogen auf meine Möglichkeit Kommentare zuzulassen oder eben nicht. Das Blog an sich gehört mir nicht sondern WordPress, deren AGB mir vorschreibt, was ich machen kann. Sollte ich dagegen verstoßen, wird das Blog gelöscht. Da sie mir das nicht mitteilen müssen, kann ich auch nicht nachvollziehen, ob ich tatsächlich gegen die AGB verstoßen habe. Außerdem bin ich abhängig von Strom, Telefon- und Internetprovider sowie Soft- und Hardware. Weil ich das alles habe, bin ich zwar privilegiert. Aber Privilegien sind Abhängigkeiten sprich Unfreiheit.

      Uebertragen auf das Leben von 6 Milliarden Menschen in einer gar nicht so eindeutig und logisch funktionierenden Welt wird das Problem sicher nicht einfacher.

      Das auf alle Menschen übertragen zu wollen, geht gar nicht, weil einerseits nicht alle die nötigen Voraussetzungen haben andererseits können eigene Interessen nicht auf alle übertragen werden.

      LG,
      Lucia

      • Robert schreibt:

        > Und das ignoriert in allen männlich dominierten Kulturen sowohl der Einzelne als auch der Staat.
        > Matrilineare Kulturen kennen den Begriff Freiheit überhaupt nicht, weil ihnen Macht- und Besitzdenken fremd ist und folglich auch Privateigentum.

        In matrilinearen Kulturen gibt es genauso Grenzen und Regeln, nach denen sich alle richten muessen, und natuerlich gibt es Macht in der Form, dass diese Grenzen und Regeln durchgesetzt werden. Einzelne empfinden das unter Umstaenden als Einschraenkung der Freiheit, die Gesellschaft in Gesamtheit aber als Sicherung gleicher Freiheiten fuer alle.

        Wenn ein Kind auf seine Geschwister eindrischt, dann wird es irgendwer davon abhalten, d.h. willkommen bei der ersten Regel und Einschraenkung einer gesellschaftlich unerwuenschten „Freiheit“, und bei der damit verbundenen Machtausuebung zu deren Durchsetzung.

        Mit maennlicher oder weiblicher Dominanz hat das Prinzip „Freiheit“ gar nichts zu tun.

      • lucia schreibt:

        In matrilinearen Kulturen gibt es genauso Grenzen und Regeln, nach denen sich alle richten muessen, und natuerlich gibt es Macht in der Form, dass diese Grenzen und Regeln durchgesetzt werden.

        Matrilineare Kulturen haben keinen Staat und auch keine sonstigen Verwaltungsinstitutionen. Regeln etc. werden im Konsens zwischen gleichberechtigten Männern und Frauen gefunden.

        Mit maennlicher oder weiblicher Dominanz hat das Prinzip „Freiheit“ gar nichts zu tun.

        In den Schaltzentralen der Macht sitzen wesentlich mehr Männer als Frauen. Und auch deswegen hat es sehr wohl was mit männlicher Dominanz zu tun.

  6. Robert schreibt:

    > Matrilineare Kulturen haben keinen Staat und auch keine sonstigen
    > Verwaltungsinstitutionen. Regeln etc. werden im Konsens zwischen
    > gleichberechtigten Männern und Frauen gefunden.

    Das ist aber so eine vereinfachte Darstellung, dass es in dieser Form auf die reale Welt gar nicht uebertragbar ist. Bei einfachen Strukturen funktioniert das, aber wie willst du denn z.B. die Regeln fuer den Flugverkehr durch Befragen aller moeglichen Menschen festlegen, wenn sicher 99% der Befragten keine Ahnung vom Fliegen haben?

    Natuerlich ist es legitim, alle diese Errungenschaften der modernen Welt in Frage zu stellen. Die Menschen haben ohne Flugzeuge auch nicht schlecht gelebt. Andererseits ist ein Rettungshubschrauber meiner Ansicht nach schon eine erstrebenswerte Einrichtung.

    Genau diese Art der Komplexitaet unserer Welt fuehrt aber auch dazu, dass nicht alle Entscheidungen von allen Menschen gemeinsam getroffen werden, sondern dass sich Menschen gruppieren, die sich jeweils auf einzelne Themen spezialisieren. Ohne diese Spezialisierung waere die Komplexitaet unserer Gesellschaft ueberhaupt nicht bewaeltigbar.

    Ich bin selbst ein Gegner von Staatsgrenzen, von hierarchischen Strukturen und uebergeregelten, authoritaeren Systemen.
    Kritik am bestehenden System ist schon berechtigt, aber so zu tun, als waere dieses System von heute auf morgen ersetzbar durch ein unfehlbares alternatives System, das alle gluecklich macht, ist schon eher absurd.

    > In den Schaltzentralen der Macht sitzen wesentlich mehr Männer als Frauen.
    > Und auch deswegen hat es sehr wohl was mit männlicher Dominanz zu tun.

    Ja, die Einschraenkung der Freiheit durch Machtausuebung schon, aber das Prinzip, dass unendliche Freiheit zu Interessenskonflikten fuehrt und daher nicht existieren kann, ist davon unabhaengig.

    • Keydie Lyn schreibt:

      „aber das Prinzip, dass unendliche Freiheit zu Interessenskonflikten fuehrt und daher nicht existieren kann, ist davon unabhaengig.“

      Jeder Mensch kann bei seinem Handeln auch das Wohl aller im Auge haben und sein Handeln entsprechend anpassen.
      Aber zu viele Menschen sind einfach nur egoistisch oder sind einfach auch nicht in der Lage weiter als bis zu ihren Zehenspitzen zu denken.
      Ich frage mich, wie bringt man Egoisten und Kurzdenker dazu, sich in ein freiheitliches System positiv einzubringen, ohne dass sie laufend rückfällig werden und dem System letztlich nur schaden?

      LG Keydie

      • lucia schreibt:

        Ich frage mich, wie bringt man Egoisten und Kurzdenker dazu, sich in ein freiheitliches System positiv einzubringen, ohne dass sie laufend rückfällig werden und dem System letztlich nur schaden?

        Da ein System innerhalb desselbigen nicht grundlegend veränderbar ist, kann das nur ein anderes System erreichen. Luce Irigaray hat in ihrem Buch „Welt teilen“ interessante Grundlagen dafür beschrieben.

        LG,
        Lucia

    • lucia schreibt:

      Das ist aber so eine vereinfachte Darstellung, dass es in dieser Form auf die reale Welt gar nicht uebertragbar ist. Bei einfachen Strukturen funktioniert das,

      Also erstens behaupte ich nicht, dass eine matrilineare Kultur 1:1 unsere Kultur ersetzen könnte und zweitens bezieht sich das Thema in erster Linie auf den Begriff Freiheit. Gleichwohl sind ihre zwischenmenschlichen Regelungen unseren überlegen und die könnten übernommen werden, und auch ihre Einstellung mit der Natur zu leben, anstatt, wie unsere Kultur gegen dieselbige lebt.

      Natuerlich ist es legitim, alle diese Errungenschaften der modernen Welt in Frage zu stellen. Die Menschen haben ohne Flugzeuge auch nicht schlecht gelebt. Andererseits ist ein Rettungshubschrauber meiner Ansicht nach schon eine erstrebenswerte Einrichtung.

      Mit der Natur zu leben, müsste die endscheidene Prämisse auch für Technik sein, zumal die weder fürs Überleben notwendig ist noch gegen Naturgewalten schützt. Genau das Gegenteil ist ja der Fall, sie verursacht Katastrophen wie bspw. die Super-Gaus in der Ukraine und zuletzt in Japan. Ganz zu schweigen von der Umweltzerstörung, Raubbau der nicht erneuerbaren Ressourcen etc. pp.

      Genau diese Art der Komplexitaet unserer Welt fuehrt aber auch dazu, dass nicht alle Entscheidungen von allen Menschen gemeinsam getroffen werden, sondern dass sich Menschen gruppieren, die sich jeweils auf einzelne Themen spezialisieren. Ohne diese Spezialisierung waere die Komplexitaet unserer Gesellschaft ueberhaupt nicht bewaeltigbar.

      Weder die Entstehung noch die Handhabung unserer Kultur ist Folge eines Naturgesetzes und so wie es ist, muss es folglich auch nicht bleiben. Zumal Menschen ca. 3,7 Millionen Jahre lang auch ohne die Technik von heute überlebt haben.

      Ja, die Einschraenkung der Freiheit durch Machtausuebung schon, aber das Prinzip, dass unendliche Freiheit zu Interessenskonflikten fuehrt und daher nicht existieren kann, ist davon unabhaengig.

      Und noch mal, wie kann es von männlicher Dominanz unabhängig sein, wenn die Welt der Frauen für Männer nicht existenz ist? Soll heißen: Frauen waren an der Entstehung der patriarchal geprägten Kultur gezwungenermaßen nur passiv beteiligt und das daraus resultierende Denken und Handeln ist nach wie vor dominierend. Und das belegt nicht nur die noch immer nicht vollzogene Gleichstellung der Frau, und zwar in allen männlich dominierten Gesellschaften.

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