Vom Raubrittertum zum Profitritterum.

Gilt Raub, seitdem es Besitzdenken gibt als kriminell, gibt es dieses Stigma beim Profit nicht, obwohl es dasselbe ist. Kein Mensch kann aus dem Nichts Materielles hervorzaubern. Folglich wird das Vorhandene genutzt. Nutzen kann auch ohne weiteres durch rauben ersetzt werden. Denn es ist immer ein Wegnehmen von irgendwoher.

Sei es von der Erde, sei es geistigen Ursprungs. Sei es durch die Industrie, sei es durch die Nutzung des Wissens anderer. Der Zweck heiligt die Mittel oder anders:
Der Profit heiligt den Raub.
Dass das in einer kapitalischen Gesellschaft legitim ist, ist kein Wunder. Dass sich dieselbe Gesellschaft zivilisiert nennt, allerdings schon. Das ist den Machthabern der Gesellschaft aber offensichtlich peinlich, denn warum sonst, codieren sie, was legitim ist oder eben was nicht? Die Profitgier, die sich dahinter mehr oder weniger sichtbar verbirgt, erklärt zweifelsfrei den Zweck.

Kein Produzent der Unterhaltungsindustrie hätte bspw. in die Beatles investiert, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre, Profit zu machen. Und da Paul MacCartney heute Milliardär ist, obwohl seine Texte nur Mainstreamschrott sind, oder gerade deswegen, zeigt, dass auch er Profit machen konnte. Dass Künstler für ihre Leistungen Geld bekommen, kann aber auch nicht in Frage gestellt werden.

Dass es aber Institutionen gibt, wie bspw. die GEMA in Deutschland, die nicht nur darüber wacht, ob irgendein Musikstück eines Mitglieds von anderen genutzt wird, sondern dafür auch selbst Geld kassiert, ist mehr als obskur. Und zwar egal wozu es verwendet wird, denn es ist reine Willkür. Dass eine Justiz eines fragwürdigen Rechtstaates dabei behilflich ist, ist folglich genauso fragwürdig. Dieser Kontrollwahnsinn ist eigentlich nur typisch für eine Diktatur. Und in der Tat ist kein westlicher Staat das, was er vorgibt, zu sein, nämlich eine Demokratie.

Dass die tatsächlichen Machthaber, die hegemonialen Männerbünde, im Hintergrund bleiben, ist typisch für Pseudodemokratien.

Die Absurdität der profitorientierten Vermarktung des sogenannten geistigen Eigentums wird zweifelsfrei durch die heutige Nutzung des Wissens antiker Denker offensichtlich.
Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass bspw. für die Nutzung der Mathematik bezahlt wird oder für das Wissen, das uns Aristoteles hinterlassen hat. Oder oder oder. Die Kette der Denker, deren Wissen auch Grundlage der heutigen Technik ist, ist quasi endlos. Folglich müsste für alles mal geleistete Wissen bezahlt werden, davon kann aber keine Rede sein.

Das liegt aber sicherlich nicht daran, dass die längst tot sind, sondern an der herrschenden Profitgier. Mächtige können eben alles zu ihrem Vorteil manipulieren. Die Manipulation war so erfolgreich, sodass selbst die Befriedigung zwischenmenschliche Bedürfnisse zum Tauschhandel verkommen konnte. Das dafür notwendige Vokabular stammt bezeichnenderweise aus der Wirtschaft.

Steht bspw. eine Beziehung auf der Kippe – wird überlegt – ob sich das Investieren in ihre Rettung lohnt. Hat das letztendlich nichts genützt, dann war es, weil es sich nicht gelohnt hat, eine Fehlinvestition. Da kann Hollywood noch Millionen Mal romantischen Liebeskitsch drehen, auf den herrschenden perversen Tauschhandel mit Bedürfnissen hat das keinen Einfluss.

Aus unbefriedigten Bedürfnissen wird Bedürftigkeit. Die eine Form der Sucht ist.
Und Süchtige können so viel konsumieren, wie sie wollen, sie bleiben ja gerade deswegen Süchtige. Zur Freude der Profitgeier, die ja an beidem verdienen. Und auch die Pille wurde nicht entwickelt, damit wir Frauen ungewollte Schwangerschaften verhindern können. Oder wie es so schön heißt – zur sexuellen Befreiung der Frau.

Für diese obskure Befreiung zahlen in Deutschland Mädchen und Frauen monatlich zwischen 15 und 17 €, plus 10 € Praxisgebühr zuzüglich 5 Euro 50 Medikamentengebühr, die der Apotheker kassiert. Mal abgesehen davon, dass ich die Pille wegen Hormone und Nebenwirkungen nicht nehme, würde ich bei uns in Frankreich für die Monatspackung nur 1 € 65 bezahlen. Aufs Jahr hochgerechnet ist das bei uns weniger als die monatlichen Kosten in Deutschland. Als ich noch in Berlin lebte, war mir schon unverständlich, warum gegen diese enorme Profitabzocke nichts unternommen wurde.

Aber anscheinend reicht das manipulierte – es ist, wie es ist – von weiblichen Köpfen bis in die Zehen. Wenn es die Mehrheit wollte, ließe sich das bestimmt ändern, aber dass die in Deutschland mobilisiert werden könnte, kann ich mir auch bei Frauen nicht vorstellen.

PS. Ob in Deutschland der Preis für die Pille heute noch aktuell ist, weiß ich nicht.

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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