Die dressierte deutsche Frau…

Die dafür notwendige tradiert normative Denk- und Verhaltensweise wurde trotz der Erfolge des Feminismus in den vergangenen Jahrzehnten offensichtlich nur temporär durch äußerliche Einflüsse auch nur verdrängt, wären die Erfolge nämlich wirklich verinnerlicht worden, dann könnte es die zurückgekehrte Tendenz sowohl „zurück an den Herd“ als auch „einfach nur geheiratet werden zu wollen„, vor allem bei jungen Frauen nicht geben. 

Tradiert normative Denk- und Verhaltensweisen werden auch vererbt, brauchen aber einen Trigger, um auch wieder wirksam zu werden. Dass es einerseits trotz mehr geschiedener Ehen und andererseits, dass die Ehe von immer mehr Leuten als staatlicher Zwang empfunden wird und außerdem ob der Tatsache, dass jeder zweite Partner fremd geht, trotzdem dazu kommen kann, hat darauf wohl genauso keinen Einfluss, wie die Tatsache, dass die Jugend normalerweise so viel wie möglich besser machen will, als ihre Eltern.

Deutschland scheint sich mal wieder in seine ewig gestrigen Ansichten heftig verliebt zu haben. Denn bei uns in Frankreich sieht es damit ganz anders aus. Der Trend zur Lebensgemeinschaft „Pacte civil de Solidarité“ kurz PACS genannt, betrug bei Heteros schon 2008 fast 94%. Er ist aber nicht abhänging von der sexuellen Orientierung.
Das Image von sozialer Unabhängigkeit für die PartnerInnen, verknüpft mit finanziellen Vorteilen und einer schnelleren Aufhebungs-Option im Vergleich zur Ehe hat den PACS mittlerweile zur bevorzugten Partnerschaftsform unter Französinnen gemacht.

Anscheinend liegt Frankreich für Deutsche auf einem anderen Planeten. 🙂

16.08.11 Nachtrag:
Simone de Beauvoirs résumé:
„On ne naît pas femme, on le devient – Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“.
Ist offenbar nach wie vor gültig.

Alles, was von Männern über Frauen geschrieben wurde,
muss verdächtig sein,
da sie zugleich Richter und Partei sind.

von François Poulain de la Barre – geb. 1647 – gest. 1723

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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3 Antworten zu Die dressierte deutsche Frau…

  1. Angelika schreibt:

    danke ./. for the reminder von wg. Simone dB 😉
    leider wurde ich ja viel zu lange auch/ heterenormativ-bla-bla sozialisiert, trotz meiner beständigen und andauernden rebellion.
    dank meinem „privaten glück/zufall“ habe ich viele/zuviele jahre in ausländern gelebt – daher beobachte ich „diese dt. realität“ und bin „not amused“ at all – und fühle mich „als fremde in meinem land“. als frau sowieso.

    apropos von wg. France : da las ich erst kürzlich/wieder dass zB frauen in mehr als 40% aller „führungspositionen“ (db ab sog. mittlerem management) *Arbeiten*.
    und wieso arbeiten in F mehr als 80% frauen mit kindern bis 3 jahren/wieder *gruebel
    diese sog. dt. diskussionen dazu, seit jahrzehnten (quoten, kinderbetreuung etc.) finde ich absurd ums freundlich auszudücken …
    methinks : tu pauper germania

    • lucia schreibt:

      Nee, also an dem Schierlingsbecher heteronormative Sozialisierung habe ich dank meiner Familie (Mama und Oma bisexuell – haben nie geheiratet, die 2 Schwestern meiner Mama sind lesbisch) nicht mal schnuppern müssen.

      Da ich 12 Jahre in Deutschland gelebt habe und nie wirklich warm wurde, kann ich gut nachvollziehen dass du dich – als Fremde in deinem Land – fühlst. Zum Glück habe ich als Kind die ersten 12 und wichtigsten Jahre in Spanien und Frankreich verbracht.

      Über Frauen in Führungspositionen weiß ich so gut wie nichts. Und dass Frauen so „früh“ wieder arbeiten können, liegt daran, dass der Staat mit Krippenplätzen und Steuererleichterungen dafür sorgt, dass Frauen Kinder und Beruf unter einen Hut bringen. Unverheiratete mit Kind zahlen auch weniger Steuern, bei 3 gar keine mehr und bekommen jede Menge Zuschüsse ect. pp. Außerdem nutzen nicht wenige arbeitende Frauen auch die Möglichkeit Babys, an sogenannte Tagesmütter abgegeben zu können, ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt.

      Der Staat kümmert sich effizienter um Kinder als in D. Bei euch ertrinkt die sowieso schon mangelhafte staatliche Unterstützung auch noch im Bürokratensumpf. In dem sich außerdem noch Menschen wie § verhalten. Bspw. Väter. Sie müssen auch nur dann Unterhalt zahlen, wenn Frauen sie vor einen sogenannten Familienrichter schleppen. Das machen aber die wenigsten, weil sie dann von den Vätern abhängig sind. Und darauf reagieren gerade unverheiratete Frauen allergisch.

  2. Angelika schreibt:

    öhm, ich hatte „deinen werdegang“ auch so bisher verstanden chere Lucia (ich lese wenn dann erstmal sehr/viel bevor ich spontan/kommentiere)
    spontan/hatte mich dein post-titel zum, ich gestehe, ironischen ROFL (oder so ähnlich) inspiriert.
    weil – DAS entspricht einfach auch meiner aktuellen beobachtung und den „vibes“, die ich so aktuell in dld. „auffange“.
    (wenn dann kommentiere ich ebenfalls selektiv, spontan & intuitiv 😉

    greetz & cheers

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