Prediger prügelt Kinder – Schlagen mit Konzept…

Mein Senf: Werden die „normalen“ Bedürfnisse von Kindern nicht befriedigt, dann wird denen ihre Abhängigkeit von den Eltern verdammt schnell bewusst. Die Folge liegt auf der Hand: Aus dauernder Enttäuschung wird irgendwann Wut. Und damit kommen viele Eltern nicht klar, zumal sie obendrein sowieso unfähig sind Kinder, zu erziehen.
Dass sich das weder die Eltern noch die Gesellschaft eingestehen, das ist das Problem
und ist nicht eine Krise der Erziehung an sich, sondern auch eine Bankrotterklärung
sowohl der Eltern als auch der Gesellschaft.

Wilfried Plock, Prediger einer evangelikalen Bibelgemeinde, prügelt Kinder – und steht dazu. Wer darüber zu laut lästert, verkennt die große Krise der Erziehung.
Von Christian Füller – Quelle

BERLIN taz | Schwer vorstellbar, dass jemand das Schlagen von Kindern als Erziehungsmethode preist. Oder doch? Wilfried Plock, Prediger einer evangelikalen Bibelgemeinde tut es – und spricht darüber: Besonders der Popo eigne sich, um Kinder zu züchtigen, auch mit einer Rute.

So predigte Plock es im Netz, bis ihn der NDR zu seiner mittelalterlichen Erziehungspraxis befragte. „Es war klar, der Sohn bekommt zehn Schläge mit dem Stock auf den Po und die Tochter fünf.“ Die niedersächsischen Grünen haben schnell reagiert und den Prediger angezeigt.

Denn Plock schlägt mit Konzept: Er beschreibt das Züchtigen in Büchern als Methode. Mit der Anzeige haben die Grünen Recht getan. Die Frage nach der richtigen Erziehung beantworten sie damit selbstverständlich nicht. Schlagen gehört ganz sicher nicht dazu, es ist ja auch längst gesetzlich verboten.

Aber wo ist denn der Konsens jenseits des Ohrfeigentabus? Es gibt ihn nicht. Nicht wenige moderne Eltern laufen mit rotem Kopf durch die Gegend, weil sie, im Stress überfordert, aus Schwäche oder was auch immer, ihrem Kind eine Ohrfeige gegeben haben.

Hilflos ihren Schützlingen gegenüber.

Das Verhältnis zwischen Eltern und Kind ist krisenhaft. Das sieht man nicht nur in den verzweifelten Verhandlungen mit den Kleinen, weil man sie – konsensual versteht sich – von diesem Joghurt oder jenem Schokoriegel abhalten will. Die Anti-Tyrannen-Bücher von Winterhoff gehen weg wie warme Semmeln. Der arme Mann kommt kaum noch in seine Praxis. Vor proppenvollen Auditorien gibt er seine Ratschläge.

Nein, natürlicht nicht den, die Kinder zu schlagen. Aber der Psychtherapeut geht doch ziemlich weit: Weil die Kinder heute ihre Eltern erziehen, dreht er den Spieß um. Macht Eltern zu Drehorgeln des „Nein, das darfst du nicht!“. So tröstet er die blanke Verzweilfung der Eltern, die sich hilflos ihren Schützlingen gegenüber fühlen. Die den halben Tag Club-Med-Wohlfühl-Feuerwerk für die Kids abbrennen – aber abends den Tisch doch selber abräumen.

Im Bermudadreieck hoher Erziehungsansprüche, knapper Zeit und dem Stress steigt in Eltern-Köpfen ganz real die Idee auf: Kinder könnten Tyrannen sein. Daraus gibt es keinen Ausweg – außer dem klaren „Nein aus Liebe“. Jesper Juul schiebt es beharrlich zwischen den prügelnden Plock und die Laissez-Faire Spätgebärende.

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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