„Männerrechtsbewegung“ als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Quelle: Blog von DanielW beim: der Freitag

Was will die „Männerrechtsbewegung“? Trotz unterschiedlichster Strömungen lassen sich einige gemeinsame Standpunkte schnell erkennen. Zum einen ist es das große Thema der Rechtspraxis in Familien- und Scheidungsfragen, zum anderen die Bildungs-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik sowie das seit Juli 2011 ohnehin obsolete Thema der Wehr- und Ersatzdienstpflicht. In all diesen Bereichen würden – so die These der „Männerrechtsbewegung“ – Frauen bevorzugt und Männer benachteiligt.

Dass sich Männer für Veränderungen in der Familienrechts- und da vor allem der Scheidungspraxis einsetzen, wäre grundsätzlich kein Grund zur Klage, schließlich ist das Familienrecht eine schwierige Angelegenheit, in der bei Scheidungen oft genug über die Sorgerechts- und Umgangspraxis der nächsten und für die Kinder prägenden Jahre entschieden wird. Ebenso steht es mit den anderen Themen, wo es nur begrüßenswert wäre, wenn sich Männer intensiv mit ihnen beschäftigten.

Doch was die „Männerrechtsbewegung“ umtreibt, das sind ganz andere Dinge.

1. Der Irrglaube an ein gesellschaftliches Nullsummenspiel

Die „Männerrechtsbewegung“ ist geleitet von einem irrigen Glauben an gesellschaftliche Nullsummenspiele. Als seien etwa Freiheit, die Anzahl der Erwerbsarbeitslätze und alle anderen gesellschaftlichen Ressourcen ein großer Kuchen, und wenn der einen gesellschaftlichen Gruppe ein Stückchen davon zufalle, sei es für die andere verloren. Die Quote wäre demnach ein Instrument, Männer aus dem Erwerbsleben zu verdrängen, und jede Frau in einer Führungsposition wäre demnach ein Verlustgeschäft für die Männer. Das ist ein gefährlicher und dummer Unfug.

Täglich gehen Erwerbsarbeitsplätze verloren, und es entstehen neue, es ist ein steter Wechsel und Wandel, und ein Unternehmen oder ein Institut, in dem neben Männern auch Frauen Führungspositionen innehaben, hat den Vorteil, neben den männlichen auch die Erfahrungen, Sichtweisen und Strategien von Frauen nutzen zu können und somit ein breiteres Potential für Wachstum und damit die Schaffung von weiteren, neuen Erwerbsarbeitsplätzen zu schaffen.

Zum anderen beschränkt die Ausweitung von Freiheiten der einen gesellschaftlichen Gruppe nicht die Freiheit einer anderen, sondern weitet sie ebenfalls aus. Und die Beschränkung der Entfaltungsmöglichkeiten einer vermeintlichen „Minderheit“ schränkt zwangsläufig auch die Freiheit aller anderen gesellschaftlichen Gruppen ein. Diese Erkenntnis sollte eigentlich mittlerweile Konsens sein, aber als Beispiel sei nur auf die extrem minderheitenfeindliche Politik der Nationalsozialisten verwiesen, die in ihrer logischen Konsequenz auch eine immer stärkere Beschneidung der Rechte und Freiheiten der „Normalbevölkerung“ hatte. Im Gegensatz dazu steht die Ausweitung der individuellen Freiheiten nach der gesellschaftlichen Öffnung unter der Chiffre „1968“, die es mit sich brachte, dass „Minderheiten“ Rechte erkämpften, die nun auch der „Normalbevölkerung“ offenstehen. Man denke nur an die Selbstverständlichkeit, mit der unverheiratete Studentinnen und Studenten heute gemeinsam in Wohngemeinschaften leben.

Die gesellschaftliche Realität einer offenen Gesellschaft ist kein Nullsummenspiel, sondern deren Gegenteil, doch der Glaube an ein derartiges Nullsummenspiel führt zu irrationalen Ängsten und Bedrohungsszenarien, die in offenen Hass umschlagen, wie gleich zu sehen sein wird.

2. Die Konstruktion einer Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Männern und Frauen auf Grund von „biologischen Merkmalen“

In der falschen Grundannahme eines gesellschaftlichen Nullsummenspiels missversteht die „Männerrechtsbewegung“ die zunehmende Gleichberechtigung von Frauen als eine Bedrohung.

Nun kommt von Seiten der „Männerrechtsbewegung“ als ein vermeintlich wissenschaftliches Argument die biologische Ungleichheit von Männern und Frauen ins Spiel, und die Angst einiger Männer, zugunsten von Frauen gesellschaftliche Positionen räumen zu müssen, führt dazu, dass sie Frauen nicht als vollwertige und gleichberechtigte Menschen mit allen Rechten anerkennen. Insofern gleichen die Vorstellungen von „Maskulisten“ denen von Rassisten aufs Haar.

Der Unterschied der Geschlechter besteht nicht darin und ist nicht daran zu erkennen, daß die Frau nicht auch tun könnte, was der Mann tut; der Unterschied der Geschlechter besteht darin und ist daran zu erkennen, daß sich das Tun des Mannes als wesenhaft, initiierend und tragend für das jeweilige Gebiet erweist, das der Frau aber als unwesenhaft, fakultativ und verzichtbar.

(Dieses wie alle Zitate aus: www.maskulist.de, Unterstreichungen DW)

Dieser Satz dient dazu, nicht nur eine Ungleichheit der Geschlechter festzustellen, sondern sogar eine quasi „naturgegebene“ Hierarchie zu konstruieren, in der Männer Frauen überlegen sind.

Alle diesem Befund widersprechenden Tatsachen können somit als Ausnahme, die die Regel nur bestätigt, verbucht werden, und ein von einer vermeintlich „natürlichen Ordnung“ vorgegebener und begrenzter Handlungsspielraum wird zur konstituierenden Norm erhoben.

In diesem Sinn kaufen sich Männer Werkzeuge und Zeitschriften für Technik, Frauen dagegen Schuhe und eben Frauenmagazine. Daß sich einzelne Frauen irgendwo in diesem Universum auch im Straßenbau verdingen, oder daß einige männliche Sonderlinge vielleicht Frauenpresse vorziehen, tut dem konstanten Sachverhalt – Männer und Frauen verhalten und betätigen sich anders – keinen Abbruch.“

Ist der Handlungsspielraum begrenzt und die Norm gesetzt, folgt die Aufwertung des als männlich, und die Abwertung des als weiblich definierten Verhaltens.

Frauen, so ein häufiges Argument der „Männerrechtler“, wollten im Übrigen gar nicht in Männerberufe, und Ausnahmen bestätigten auch hier wieder nur die Regel. Frauen wollen – das wissen diese Männer ganz genau, woher auch immer sie dieses Wissen haben – einen Ernährer, einen „richtigen“ Mann eben. Und wie ein solcher „richtiger“ Mann aussieht, das sagen sie uns ebenfalls: „Weil der Mann die Mitte meidet und sich stets gern am Rande der Welt und der Dinge aufhält, um sich (nach Kräften und im Bann seiner abstrakt räumlichen Vision) deren Erweiterung zu widmen. Hier begegnen sich Kreativität und reine Macht, rein deswegen, weil sie die Welt, den Menschen und das Ich der Nöte des Natürlichen zu entreißen trachtet – zumindest ist letzteres immer die Absicht im Kern. Kreativität also, Macht und Einsamkeit sind vorwiegend männlich

Die Frau, das Konstrukt „Frau“, um genauer zu sein, ist also unfähig, minderbemittelt und minderwertig, und der Mann, das Konstrukt „Mann“ in dieser Vorstellung die Krone der Schöpfung und somit der Herr der Welt. Näher muss auf diesen lächerlichen Unfug nicht eingegangen werden. Es genügt festzustellen, dass es sich hierbei um – möglicherweise homoerotische – idealisierte Wunschvorstellungen, nicht jedoch um empirische Wirklichkeitsbeschreibungen handelt.

3. Das Feindbild

Da zum Glück nur noch sehr wenige Frauen und Männer diese Begrenzung ihres Rollenverhaltens akzeptieren sondern individuellen Lebensentwürfe entwickeln, ausprobieren und leben, stellt jede dieser Grenzüberschreitungen einen Angriff gegen die Vorstellungen der „Männerrechtsbewegung“ dar. Doch wie nun mit diesem Problem umgehen? Es gibt – so die Vorstellung der „Männerrechtsbewegung“ – ganz offensichtlich Menschen, die wider „ihre Natur“ leben, und es kann daher nur so sein, dass sie Verblendete sind, Opfer einer Gehirnwäsche. Daraus konstruiert die „Männerrechtsbewegung“ die feministische Bedrohung: „So begegnet er uns täglich in feministischen oder feministisch indoktrinierten Medien unverhüllt als hämischer Sexismus, der z. B. die höhere Selbstmordrate bei Männern oder andere den Mann betreffende Mißstände feiert, grinst uns aus Magazinen, die das Wort »Wissenschaft« in ihrem Titel tragen, als schadenfreudige Vorankündigung feministischer »Forscherinnen« einer angeblich bevorstehenden Ausrottung des »zweiten Geschlechts« an, plaziert in »Frauenkalendern« Tage, an denen Männermorde stattfanden, als Gedenktage des Feminismus, bereitet in feministischen Manifesten Gaskammern für alle Männer, foltert und tötet Männer in Filmen, Lesbencomics und neuartigen Frauenromanen, erstellt seitenfüllende Listen mit erniedrigenden Beleidigungen gegen das männliche Geschlecht, die das Höchste an Obszönität und Impertinenz zu erreichen suchen, erklärt in »Sachbüchern« den Mann als Naturkrüppel, dessen Bestandteil in der Weltbevölkerung auf etwa zehn Prozent dezimiert werden sollte, oder verklärt das Zeugungsorgan des Menschen zur »Giftspritze«, was es vielleicht auch war, als es manche Feministin dieser Art zeugte.“

Einmal ganz abgesehen vom Schwachsinn der „Gaskammern für Männer“ und der Tatsache, dass die Startseite von maskulist.de eine Abbildung des Perseus mit dem abgeschlagenen Haupt der Medusa ziert.

Aus der irrigen Annahme eines gesellschaftlichen Nullsummenspiels wird eine gesellschaftliche Gruppe – in diesem Falle sind es die Frauen, bei Rassisten die „Ausländer“ – erst als „anders“, dann als „mangelhaft“ und schließlich als Bedrohung inszeniert.

Alle Beispiele, die nun zur Stützung dieser abstrusen „These“ herangezogen werden, sind wertlos, weil eklektizistisch. Schließlich soll mit ihnen kein Erkenntnisgewinn erreicht werden, sondern allein die Untermauerung einer ohnehin vorformulierten Ansicht. Ein solches Vorgehen ist unwissenschaftlich, banal und unseriös, selbst wenn die angesehensten Fachzeitschriften zitiert werden.

Die „Männerrechtsbewegung“ ist antiemanzipatorisch, frauenfeindlich und dem Rassismus wesensgleich. Sie ist keine Rechts-, sondern eine Unrechtsbewegung.

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Über lucia

Anarchistische Feministin: Ein gleichberechtigtes menschenwürdiges Leben in Freiheit, ist für mich nur dann möglich, wenn es nichts mehr gibt, das über andere bestimmen kann.
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2 Antworten zu „Männerrechtsbewegung“ als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

  1. Angelika schreibt:

    danke Lucia, hast du für mich wunderbar/erschreckend gut aufgedröselt und zusammengefasst.

    „witzig“ finde ich, dass feminismus-an-sich ja als eine reaktio-näre bewegung auf die herrschende struktur („wir leben in einer gesellschaft, die lediglich ein konstrukt männlicher interessen ist“) entstand. und jetzt kommen dann sog. MRA/MRM wiederum als komplett reaktio-näre sache daher.
    ich würde roflen wenns nicht komplett anti-ismen jedweder zivilisation ist, was die da so „betreiben“.

    • lucia schreibt:

      Ich gebe dein Lob an DanielW weiter, denn ich habe seinen Artikel nur 1:1 kopiert, weil dem nichts hinzuzufügen war.

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